Tätigkeits- und Finanzbericht der Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes ONLUS für das Jahr 2009
Liebe Freunde!die Jahreshauptversammlung ist stets Anlass, die Mitglieder über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr zu informieren. Da bei der diesjährigen Versammlung die Wahlen der Verbandsorgane anstehen, soll dieser Bericht kurz gehalten und nur auf Besonderheiten genauer eingegangen werden.
Schwerpunkt im Jahr 2009 war die Feier des 60jährigen Bestehens unserer Landesgruppe. Zum Anlass wurden ein Jubiläumsfest und ein Informationstag abgehalten sowie die Broschüre „Lichtblicke“ herausgegeben. Die ordentliche Verbandstätigkeit wiederum war auf den täglichen Kontakt zu Blinden und Sehbehinderten in Südtirol ausgerichtet, um das Erfassen von Anliegen und Bedürfnissen und die entsprechende Interessensvertretung zu gewährleisten.
Von unserer Landesgruppe werden etwa 1200 Sehgeschädigte aller drei Sprachgruppen erfasst und betreut. Rund 670 sind eingeschriebene Mitglieder.
1. 60 Jahre Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blinden- und Sehbehinderten-verbandes
Im Jahre 2009 feierte unsere Landesgruppe ihr 60jähriges Bestehen. Zum Anlass wurden am 26. September auf den Bozner Talferwiesen eine Jubiläumsfeier und ein Informationstag abgehalten. Der Festakt am Vormittag wurde mit einem geschichtlichen Rückblick seitens des Vorsitzenden eröffnet, bei dem dieser hervorhob, wie wichtig nach wie vor ein starker Interessensverband ist, der sich für die Anliegen der Sehgeschädigten einsetzt. Der Festansprache des Vize-Nationalpräsidenten Prof. Enzo Tioli folgten Grußworte der Vertreter der öffentlichen Verwaltung und der Sozialverbände. Anschließend übergaben die Schüler mehrerer Mittel- und Oberschulklassen Hörbücher, welche sie im Rahmen des Projektes „Il libro parlante“ des italienischen Schulamtes für Sehgeschädigte aufgenommen hatten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen gab es ein Informations- und Unterhaltungsprogramm, das Musik, Informationen zu Sehbehinderung und Blindheit und Erfahrungen unter der Augenbinde bot und verschiedene Begegnungen ermöglichte.An der Veranstaltung haben insgesamt 270 Personen teilgenommen, darunter Blinde und Sehbehinderte aus dem ganzen Land, für die ein Transportdienst organisiert worden war, sowie Freunde, Begleiter und auch Passanten.
Anlässlich des Jubiläums wurde die Broschüre „Lichtblicke“ vorgestellt. Mit der Broschüre soll nicht nur auf die geschichtliche Entwicklung der Landesgruppe zurückgeblickt werden, sondern es kommen auch Mitglieder mit Anregungen für die Zukunft zu Wort. Weiters liefert sie Informationen über die Auswirkungen einer Sehschädigung auf das tägliche Leben der Betroffenen.
Durch diese Initiativen entstanden Ausgaben in Höhe von knapp 12.000,00 Euro, teilweise gedeckt durch Beiträge der Region, der Sparkassenstiftung, der Gemeinde Bozen und Privater.
2. Verbandsorgane und Personal
Der Landesgruppe steht ein neunköpfiger Vorstand vor, welcher sich mit der laufenden Tätigkeit auseinandersetzt, vor allem aber mit speziellen Anliegen Sehgeschädigter. Bei zwei Zusammenkünften des Nationalvorstandes und einer Versammlung der Führungskreise in Messina bzw. in Tirrenia sowie bei den fünf Online-Versammlungen des Verbandes via Internet wurden Entwicklungen und Herausforderungen auf nationaler Ebene behandelt. Auf lokaler Ebene vertraten die einzelnen Vorstandsmitglieder die Sehgeschädigten im Ausschuss des Dachverbandes der Sozialverbände Südtirols und in dessen Arbeitsgruppen, im Landesbeirat für Soziales im Bereich Behindertenarbeit, in einigen Sprengelbeiräten sowie im Seniorenbeirat.Besonders wichtig bleibt jedoch der direkte Austausch mit den Betroffenen. Die beiden Jahreshauptversammlungen, die traditionelle vorweihnachtliche Feier sowie alle anderen Veranstaltungen waren Gelegenheit hierfür.
Der Jahresbericht spiegelt die vielfältige Tätigkeit im Verbandsbüro wider, die von den drei Angestellten durchgeführt wird. Auf guten persönlichen Kontakt zwischen den Mitarbeitern und den Betreuten wird dabei besonderer Wert gelegt, um die Verbindung der Sehgeschädigten zum Verband zu bestärken. Das Team wurde durch eine Freiwillige des Nationalen Zivildienstes ergänzt, die sowohl im Büro mitarbeitete als auch sehgeschädigten Mitgliedern als Begleitperson zur Verfügung stand. Zu Beginn des heurigen Jahres wurde sie als Vertretung für eine Mitarbeiterin angestellt, die sich in Mutterschaft befindet.
3. Renten, Patronatsarbeit und Hilfsmittel
Eine wichtige Aufgabe ist die Unterstützung der Betroffenen zur Erlangung finanzieller Leistungen, welche von der Autonomen Provinz ausgezahlt werden. Bei den Visiten der Landesärztekommission ist jeweils eine Mitarbeiterin anwesend, um einen ersten persönlichen Kontakt mit den meist erst seit kurzem von einer Sehschädigung betroffenen Menschen zu knüpfen und sie über Hilfestellungen und Dienste zu informieren. Es wurden 94 Akten bearbeitet, die dann von der Wirtschaftskommission behandelt worden sind, welcher wir als Interessensverband angehört haben. Leider konnte nicht verhindert werden, dass diese Kommission im Januar 2010 vom Land abgeschafft worden ist und somit wird es zukünftig sehr viel schwieriger werden, die Abwicklung der Ansuchen bis zu deren Abschluss zu verfolgen.Wir sind auch bei der Abwicklung anderer sozialrechtlicher Verfahren behilflich und setzen uns für die Wahrung der Rechte einzelner Betroffener in den verschiedensten Belangen ein, z.B. bei Entmündigungen, bei Steuerfragen oder im Bereich des sozialen Wohnbaus. Diese Tätigkeit ist oft mühevoll und zeitaufwändig, für die Betreuten aber äußerst wichtig und wertvoll.
Im Laufe des Jahres leitete das Verbandsbüro für die Betreuten 45 Gesuche um Gewährung von Beiträgen seitens der Sanitätsbetriebe für den Kauf von Hilfsmitteln ein und war bei deren Abwicklung behilflich. Wir konnten die Mitglieder beim Ankauf von Daisyplayern, Blindenstöcken und elektronischen Hilfsmitteln finanziell unterstützen. Weiters kauften wir verschiedene Hilfsmittel zum Vorzeigen und Ausprobieren an. Im Bereich Hilfsmittel entstanden Ausgaben in Höhe von ca. 10.500,00 Euro.
4. Berufsausbildung und Arbeitseingliederung, Schule und Elternarbeit
Die Berufsausbildung von Sehgeschädigten, die Arbeitseingliederung und die korrekte Anwendung der gesetzlichen Maßnahmen zur Arbeitsausübung sind wichtige Aufgaben des Verbandes, denen besonderer Einsatz gilt. Eine junge Frau konnte einen Arbeitsplatz als Telefonistin finden und im Sinne des spezifischen Gesetzes für Blinde angestellt werden.Mit der Beratungstätigkeit für Familie und Schule beschäftigt sich der Verband nicht direkt, verfolgt und unterstützt aber die Arbeit der Frühförderung und Schulberatung für Sehgeschädigte als Mitglied in den Fachbesprechungen, die zur Koordination dieser Tätigkeiten regelmäßig stattfinden. Zu dieser Fachgruppe, dem Team, gehören weiters die Mitarbeiter der Rehadienste und die Leitung des Blindenzentrums. In der Elterninitiative Sehgeschädigter Kinder „ELISE“ arbeiten Eltern, die Rehadienste des Blindenzentrums sowie der Blinden- und Sehbehindertenverband zusammen, um Information und Hilfestellung für die betroffenen Familien zu gewährleisten. In diesem Sinne wurden vom 29.07. bis 02.08. Erlebnistage für die Familien sehgeschädigter Kinder durchgeführt.
5. Mobilität und Abbau von Barrieren
Leider kann noch immer nicht über den Abschluss des Projektes zur Einrichtung einer Ansage der Haltestellen im Inneren der öffentlichen Verkehrsmittel berichtet werden. Diese war zwar, zumindest für die Stadtbusse in Bozen und Meran, schon so oft in Aussicht gestellt worden, konnte aber aufgrund technischer Probleme noch immer nicht vollständig verwirklicht werden. Es braucht wohl noch Einsatz und Nachdruck, um dieses Anliegen umzusetzen.Um die Maßnahmen beim Abbau von Barrieren besser zu koordinieren und voranzutreiben, wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um diesen Bereich kümmern wird, in dem noch viel Kleinarbeit zu leisten ist.
6. Öffentlichkeitsarbeit
Immer wieder nehmen wir Gelegenheiten wahr, um die Öffentlichkeit auf die Bedürfnisse Sehgeschädigter aufmerksam zu machen. Dazu gehören die Pressearbeit, die regelmäßige Aktualisierung unserer Internetseite, der Besuch in Schulen, wobei die Begegnungen im Rahmen des Projektes „Il libro parlante“ besonders zahlreich waren, sowie die Verteilung von Informationsmaterial, beispielsweise über Vorbeugung von Augenerkrankungen.7. Freizeit sowie kulturelle und gemeinschaftsbildende Tätigkeiten
Am 13tägigen Meeraufenthalt im blindengerecht eingerichteten Ferienzentrum in Tirrenia nahmen 42 Personen teil, an der Bergwanderwoche in Gsies 30 Personen. 18 Personen fuhren nach Verona, um in der Arena eine Aufführung der Oper „Aida“ zu erleben. Diese Angebote sowie alle weiteren Zusammenkünfte haben neben anderen Zielsetzungen stets auch gemeinschaftsbildenden Charakter. Besonders gefreut haben sich Vorstand und Mitglieder über die Teilnahme des Diözesanbischofs an der vorweihnachtlichen Feier. Auch die sportlichen Aktivitäten der Sehgeschädigten werden gefördert, und zwar durch die organisatorische und finanzielle Unterstützung der Blinden- und Sehbehindertensportgruppe. Für die Durchführung dieser Initiativen entstanden Ausgaben von rund 50.000,00 Euro.8. Finanzierungen
Um die notwendigen finanziellen Mittel für die umfassende Tätigkeit aufbringen zu können, wandten wir uns in erster Linie an das Land Südtirol, welches uns immer mit einem großzügigen Beitrag unterstützt hat. Erwähnt seien auch die Beiträge der Gemeinde Bozen und anderer Gemeinden, weiters die Spenden unserer Mitglieder, die Mitgliedsbeiträge von 27.165,68 Euro, die Zuwendung von 5 Promille der Einkommenssteuer sowie der Erlös aus der Verteilung des „Südtiroler Hauskalenders“. Allen Gönnern sei an dieser Stelle herzlich für Ihre Unterstützung gedankt. Aus den Mitteln der Charlotte-und-Rudolf-Nicolussi-Stiftung stellte der Stiftungsrat – diesem gehören Elisabeth Gitzl, Wolfgang Schludermann aus München und Josef Stockner an – einen zweckgebundenen Beitrag für die Anschaffung eines neuen Blindenschriftdruckers für das Büro zur Verfügung. Wie bekannt ist unser Verband mit dem Siegel „Sicher Spenden“ gekennzeichnet, welches für Vereinigungen vorgesehen ist, die ihre Tätigkeit, die Bilanzen und die Verwendung von Spendengeldern offen legen.9. Zusammenarbeit mit Verbänden und Behörden
Besonders eng ist natürlich die Zusammenarbeit mit dem Blindenzentrum „St. Raphael“, vor allem mit den Rehadiensten. Die Kontakte zu den anderen Behindertenorganisationen im Lande werden besonders innerhalb des Dachverbandes der Sozialverbände Südtirols gepflegt. Regelmäßige Kontakte gab es zum Hauptsitz in Rom sowie zu den Blinden- und Sehbehindertenverbänden in Trient und in Innsbruck.Abschließend sei unterstrichen, dass die vielfältige Tätigkeit nicht allein von Vorstandsmitgliedern und Angestellten durchgeführt werden kann, sondern dass es der Unterstützung vieler bedarf. An dieser Stelle sei allen freiwilligen Helfern und Begleitern für ihre Treue und ihren selbstlosen Einsatz herzlich gedankt. Den Verbandsorganen, die im Jahre 2010 auf lokaler und nationaler Ebene erneuert werden, wünschen wir viel Einsatzfreude und Erfolg, um so die Anliegen und Bedürfnisse der Sehgeschädigten bestmöglich schützen und vertreten, neue Herausforderungen annehmen und die erreichte Lebensqualität erhalten zu können.
Für den Vorstand
Der Vorsitzende
- Cav. Josef Stockner -


