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Tätigkeits- und Finanzbericht der Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes ONLUS für das Jahr 2007

Liebe Freunde!

Mit dem Tätigkeitsbericht möchten wir anlässlich der Jahreshauptversammlung auch heuer wieder die Mitglieder über das abgelaufene Jahr 2007 informieren. Schwerpunkt war in diesem Jahr vor allem die ordentliche Verbandstätigkeit. Es geht dabei um den täglichen Kontakt zu Blinden und Sehbehinderten in Südtirol, um das Erfassen von Anliegen und Bedürfnissen und um die entsprechende Interessensvertretung.
Von unserer Landesgruppe werden etwa 970 Sehgeschädigte, rund 240 Vollblinde, 530 Teilblinde und 200 hochgradig und mittelhochgradig Sehbehinderte betreut. Davon sind rund 660 eingeschriebene Mitglieder. Im vergangenen Jahr gab es 69 Neueinschreibungen, 42 Mitglieder sind verstorben. Ihnen werden wir ein ehrendes Andenken bewahren.
An dieser Stelle gedenken wir auch unseres Freundes, Dr. Ernesto Bonvicini, der über Jahrzehnte ein wertvoller Mitarbeiter im Verband war. Als Regionalsekretär hat er über Jahre die Verbandstätigkeit geprägt und durch seinen Einsatz maßgeblich an der heutigen Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Südtirol beigetragen. Dankbarkeit und Wertschätzung werden stets mit seinem Namen verbunden bleiben.
Dem Präsidium unserer Landesgruppe gehören Josef Stockner als Präsident, Cristiana Cattoi Colombi als Vizepräsidentin und Alfred Unterhofer als delegiertes Vorstandsmitglied an. Weitere Vorstandsmitglieder sind Cinzia Bancaro, Nikolaus Fischnaller, Peter Innerhofer, Bellino Masiero, Elisabeth Mayr Seebacher und Riccardo Tomasini.
Nach diesen allgemeinen Informationen wenden wir uns nun den einzelnen Tätigkeitsbereichen zu.

1. Verbandsorgane

Im Laufe des Jahres traf sich der Vorstand zu fünf Sitzungen. Dringende Beschlüsse wurden vom Präsidium in eigenen, zusätzlichen Zusammenkünften gefasst. Die Vorstandsmitglieder setzten sich mit der laufenden Verbandstätigkeit auseinander, vor allem aber mit speziellen Anliegen Sehgeschädigter sowie neuen wirtschaftlichen und sozialrechtlichen Herausforderungen.
Sie vertraten den Verband bei Tagungen zu den Themen „Armut in Südtirol“, „Zivildienst“, und „Die Arbeitseingliederung Behinderter“. Stockner nahm in Trient und in Tirrenia an zwei Sitzungen des Nationalvorstandes, an einer Versammlung der Führungskreise sowie in Padua an einer Zusammenkunft der Vorsitzenden des Verbandes der Drei Venetien teil. Am 4. Juli reiste er nach Rom zur Verleihung der Auszeichnung „Premio Braille“, welche vom Nationalverband Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zugesprochen wird, die sich durch besonderen Einsatz um Blinde und Sehbehinderte verdient gemacht haben.
Eine neue Form der Zusammenkunft, nämlich über Internet, wobei jeder Teilnehmer zu Hause die Arbeiten verfolgen kann, wird vom Nationalverband verstärkt eingesetzt. So wurden im letzten Jahr zwei Versammlungen der Führungskreise bzw. der gesamten Landes- und Regionalvorstände des Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes auf diese Weise durchgeführt.
Mit Josef Stockner sind wir weiterhin im Landesbeirat für Soziales in der Sektion für Behindertenarbeit vertreten. Einige Vorstandsmitglieder bzw. Eingeschriebene unseres Verbandes arbeiten in den Sprengelbeiräten mit, Nikolaus Fischnaller im Seniorenbeirat.
Besonders wichtig bleibt jedoch der direkte Austausch mit den Betroffenen. Die beiden Jahreshauptversammlungen sowie die traditionelle vorweihnachtliche Feier waren für viele Mitglieder und Freunde wie immer ein beliebter Treffpunkt.

2. Personal und Tätigkeit im Verbandsbüro

Der Jahresbericht spiegelt die vielfältige Tätigkeit im Verbandsbüro wider, die von den drei Angestellten durchgeführt wird. Auf guten persönlichen Kontakt zwischen dem Personal und den Betreuten wird dabei immer besonderer Wert gelegt, um die Verbindung der Sehgeschädigten zum Verband zu bestärken. Das Team wurde von einer Freiwilligen des Nationalen Zivildienstes ergänzt, die Ende des Jahres ihre Tätigkeit abgeschlossen hat. Leider konnte bisher kein weiterer Freiwilliger gefunden werden, der Zivildienst im Verbandsbüro absolviert.
Im Laufe des Jahres mussten sich die Mitarbeiterinnen immer wieder mit Neuerungen auseinandersetzen bzw. sich Kenntnisse über neue Sachverhalte aneignen. Eine Mitarbeiterin nahm an einer Fortbildung des Fürsorgeinstituts INPDAP teil.
Die Telefonanlage im Verbandssitz wurde im Herbst erneuert.
Wie in den vergangenen Jahren arbeitete die Landesgruppe eng mit der Sektion Trient und mit dem Hauptsitz in Rom zusammen.

3. Renten, Patronatsarbeit und Interessensvertretung

Im Jahre 2007 wurden 104 Visiten von der Landesärztekommission für die Anerkennung der Zivilblindheit vorgenommen, einige Revisionsvisiten inbegriffen. Die Wirtschaftskommission behandelte 117 Anträge zur Berechtigung für den Erhalt finanzieller Leistungen. Als Interessensverband sind wir Mitglied jener Kommission und können so die Anliegen der Sehgeschädigten direkt vertreten. Wir verfolgten die Abwicklung der Ansuchen bis zu deren Abschluss. Außerdem sind wir auch bei der Abwicklung anderer sozialrechtlicher und bürokratischer Verfahren behilflich.
Als Beispiel für die geleistete Interessensvertretung, welche sehr wichtig ist und hinter der sich viel Kleinarbeit verbirgt, soll genannt werden, dass bei der Ärztekommission für Zivilblindheit nun durchgesetzt wurde, einige Detailbestimmungen zur Berechnung der Sehbeeinträchtigung durch eine Gesichtsfeldeinschränkung wie auf gesamtstaatlicher Ebene anzuwenden.

4. Berufsausbildung und Arbeitseingliederung

Es ist eine wichtige Aufgabe des Verbandes, die Berufsausbildung von Sehgeschädigten zu verfolgen, sich um die entsprechende Arbeitseingliederung zu kümmern und sich für die korrekte Anwendung der gesetzlichen Maßnahmen zur Arbeitsausübung einzusetzen. So begleiteten wir drei junge Sehgeschädigte bei ihrer Arbeitsplatzsuche, welche sich sehr schwierig gestaltet, teilweise auch weil diese Personen nicht in den typischen, für Blinde geschützten Berufen Anstellung suchen. Wir werden unseren Einsatz hierfür auch im Jahre 2008 fortsetzen.
Franz Gatscher und Riccardo Tomasini nahmen in Tirrenia und in Rom an zwei Nationalversammlungen der Physiotherapeuten teil, Stefano Vecchiato in Rom an jener der Telefonisten.

5. Schule, Ausbildung und Elternarbeit

Der Bereich Schule und Ausbildung hat große Bedeutung, weil davon ja die Zukunftsperspektiven unserer sehgeschädigten Jugendlichen abhängen. Wir beschäftigen uns nicht direkt mit der Beratungstätigkeit für Familie und Schule, verfolgen und unterstützen aber die Arbeit der Frühförderung und Schulberatung für sehgeschädigte Kinder und Jugendliche als Mitglied in den Teambesprechungen, die regelmäßig stattfinden. Diese Dienste werden vom Blindenzentrum „St. Raphael“ angeboten und organisiert.
Ebenso wichtig ist die Elternarbeit, welche von der Elterninitiative sehgeschädigter Kinder „ELISE“ geleistet wird. Hier arbeiten Eltern, die Rehadienste des Blindenzentrums sowie der Blinden- und Sehbehindertenverband zwecks Erfassung, Information und Förderung zusammen. Die vorgesehene Ferien- und Erlebniswoche für Kinder konnte wegen zu geringer Teilnehmerzahl leider nicht durchgeführt werden. Da es aber wichtig und sinnvoll erscheint, dass die in den Regelschulen integrierten sehgeschädigten Kinder untereinander in Kontakt kommen können, wird an dieser Initiative festgehalten und eine solche Woche für dieses Jahr wieder geplant, diesmal unter Einbeziehung der Familienangehörigen. Als „Ersatz“ für die nicht durchgeführte Erlebniswoche wurden die Familien zu einem gemütlichen Informations- und Grillnachmittag im Blindenzentrum eingeladen, welcher auch zur Kontaktpflege mit Vertretern des Blindenverbandes genutzt wurde.

6. Rehabilitation und Hilfsmittel

Auch in diesem Bereich arbeiten wir eng mit den Rehabilitationsdiensten des Blindenzentrums „St. Raphael“ zusammen. Wir kauften wieder verschiedene Hilfsmittel zum Vorzeigen und Ausprobieren an. Hierfür entstanden Ausgaben in Höhe von 11.067,41Euro. Weiters beteiligten wir uns mit 602,78 Euro an den Kosten für das Rehabüro.
Bei einer Ausstellung von zwei Hilfsmittelfirmen, welche anlässlich der Jahreshauptversammlung organisiert worden ist, konnten sich die Mitglieder über blindengerechte Computer, Bildschirmlesegeräte und elektronische Vorlesegeräte informieren.
Zahlreich waren wieder die Gesuche um Gewährung von Beiträgen für den Kauf von Hilfsmitteln, welche über den Verband bei den Sanitätsbetrieben eingereicht wurden. Wir sind bei der bürokratischen Abwicklung der Ansuchen behilflich und stehen dazu mit den verschreibenden Augenärzten, den Lieferfirmen sowie den zuständigen Ämtern in Kontakt.

7. Öffentlichkeitsarbeit und Abbau von architektonischen Barrieren

Immer wieder nehmen wir Gelegenheiten wahr, um die Öffentlichkeit auf die Bedürfnisse Sehgeschädigter aufmerksam zu machen. Dazu gehört das Auftreten in den Medien; weiters nahmen unsere Vertreter an Informationsveranstaltungen in Schulen teil. Das neu ausgearbeitete Faltblatt über die Tätigkeit des Verbandes wurde den Augenärzten, praktischen Ärzten, Patronaten und Sprengeln zugeschickt.
Die Bemühungen, die Behörden auf verschiedene Schwierigkeiten bei der Mobilität aufmerksam zu machen, wurden fortgesetzt. Es gab wieder Aussprachen mit dem Bürgermeister von Bozen und weiteren Gemeindevertretern. Nach längerem Beharren wurde am Grieser Platz endlich eine tastbare Leitlinie angebracht, die das Überqueren erleichtert. Bei den anderen Plätzen, für welche ebenso eine Hilfestellung notwendig und schon seit langem gefordert wird, konnte noch keine Lösung gefunden werden. Auch in anderen Gemeinden Südtirols sowie bei den Landesbehörden waren Aussprachen und die Anwesenheit bei einem Lokalaugenschein immer wieder erforderlich. In Sachen „Ansage der nächsten Haltestelle im Inneren der öffentlichen Verkehrsmittel“ wurden mehrere Vorstöße gemacht. Inzwischen ist das Landesassessorat bereit, ein Informationssystem für die städtischen Busse in Bozen einzurichten, welches auch die Ansage der nächsten Haltestelle vorsieht. Diese Ansage soll aber über einen Empfänger erfolgen, den der Sehgeschädigte bei sich trägt. Mit einem solchen System würden allerdings verschiedene Personengruppen von vorne herein ausgeschlossen, wie z.B. die in anderen Orten Südtirols oder im Ausland wohnhaften Sehgeschädigten, die mit dem Busverkehr in Bozen nicht vertraut sind, sowie Sehbehinderte, die wegen ihrer nicht so schweren Beeinträchtigung nicht vom Verband erfasst sind und ebenso ältere Menschen und Touristen. Daher setzen wir uns weiterhin entschieden für eine Ansage über Lautsprecher ein, wie es sie in vielen Städten Italiens und im Ausland bereits seit langem gibt.

8. Freizeitangebote und kulturelle Tätigkeiten

Ein wichtiger Bereich in unserem Programm ist die Organisation der Freizeitangebote und kulturellen Tätigkeiten. Eine Gruppe von 28 Sehgeschädigten und Begleitpersonen verbrachte vom 18. bis 30. Juni einen Meeraufenthalt im Ferienzentrum des Nationalverbandes in Tirrenia. Übrigens wird auch der diesjährige Meeraufenthalt wieder dort stattfinden, da bei dem auf Wunsch verschiedener Mitglieder durchgeführten Lokalaugenschein an der Adria keine andere geeignete Struktur gefunden werden konnte. An der Bergwanderwoche vom 9. bis 15. September in Taufers in Münstertal nahmen 30 Personen teil und erkundeten die dortige, touristisch noch weniger erschlossene Bergwelt. Ein hör- und sehgeschädigtes Mitglied wurde vom Verband durch die Übernahme der Ausgaben für den Begleiter unterstützt, um ihm die Teilnahme an einer Schulungswoche zu ermöglichen, welche vom 7. bis 21. Juli in Landschlacht in der Schweiz für Personen mit einer solchen doppelten Sinnesbehinderung angeboten wurde.
Der beliebte Tagesausflug der Mitglieder führte 84 Personen aus ganz Südtirol am 29.September ins Trentino, und zwar zur Besichtigung der Überreste der einstigen Festungsanlage „Castel Beseno“ sowie auf das Hochplateau von Folgheria.
Für die Durchführung dieser Initiativen entstanden Ausgaben von 33.266,87 Euro.
Der Verband fördert auch die sportlichen Aktivitäten der Sehgeschädigten. So wurde die Blinden- und Sehbehinderten-Amateursportgruppe tatkräftig von unserem Büro unterstützt, sowohl durch das Erledigen des Schriftverkehrs, das Abfassen der Beitragsgesuche an öffentliche Körperschaften, das Organisieren von Veranstaltungen als auch durch die Gewährung eines finanziellen Beitrages in Höhe von 2.400,00 Euro.



9. Finanzierungen

Um die notwendigen finanziellen Mittel für die umfassende Tätigkeit aufbringen zu können, wandten wir uns in erster Linie an das Land Südtirol, welches uns immer mit einem großzügigen Beitrag unterstützt hat. Erwähnt seien auch die Beiträge der Gemeinde Bozen und anderer Gemeinden sowie jene Privater.
Die Verteilung der Hauskalender wurde wieder durchgeführt, diese Aktion brachte einen Reinerlös von circa 11.400,00 Euro. Besonders wertvoll sind die Spenden unserer Mitglieder, da sie nicht nur eine finanzielle Unterstützung darstellen, sondern damit auch die Wertschätzung für unsere Arbeit bekundet wird.
Eine neue Finanzierungsmöglichkeit ist die Zuweisung seitens der Steuerzahler von 5 Promille der Einkommenssteuer an gemeinnützige Vereinigungen. Auch in diesem Jahr ist eine Zuweisung genannten Anteils an den Südtiroler Blinden- und Sehbehindertenverband anlässlich der Abfassung der Steuererklärung, welche in diesen Wochen erfolgen muss, möglich. Hierfür genügt es, auf der Steuererklärung oder auch einfach auf dem Modell CUD die Steuernummer des Verbandes anzugeben. Wir danken bei dieser Gelegenheit allen, die uns im Jahr 2007 auf diese Weise unterstützt haben.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass im Frühjahr 2007 unser Verband mit dem Siegel „Sicher spenden“ gekennzeichnet worden ist, welches für Vereinigungen vorgesehen ist, die ihre Tätigkeit, die Bilanzen und die Verwendung von Spendengeldern offen legen. Dieses Siegel soll der Verunsicherung Spendenwilliger entgegenwirken.

10. Zusammenarbeit mit Verbänden und Behörden

Der Blinden- und Sehbehindertenverband ist Mitglied des Dachverbandes der Sozialverbände Südtirols, dem insgesamt 41 Organisationen angehören. Mit dem Vorstandsmitglied Nikolaus Fischnaller sind wir nach den am 14. März durchgeführten Neuwahlen weiterhin im Ausschuss des Dachverbandes vertreten. Er arbeitet außerdem in der Kommission zum Abbau der architektonischen Barrieren sowie in weiteren Arbeitsgruppen mit und koordiniert die Tätigkeit in der Sektion „Bedarfssituation im Alter“. Zusammen mit den anderen Mitgliedsorganisationen im Dachverband wurden den Verantwortlichen in der Abteilung Gesundheitswesen des Landes Anliegen und Verbesserungsvorschläge vor allem bei der Einstufung von Sehbehinderungen und der Lieferung von Hilfsmitteln unterbreitet.
Regelmäßige Kontakte gab es zum Blinden- und Sehbehindertenverband in Trient und in Innsbruck. Dazu gehört auch die Teilnahme an Versammlungen und Feiern dieser Organisationen.

Dies ist also ein Überblick, über die vielfältige Tätigkeit unserer Landesgruppe im abgelaufenen Jahr 2007. Hierfür genügt allerdings nicht nur der Einsatz von Vorstandsmitgliedern und Angestellten, sondern es bedarf der Hilfe und Unterstützung vieler. Herzlich gedankt sei bei dieser Gelegenheit den vielen freiwilligen Helfern und Begleitern für ihren treuen und selbstlosen Einsatz. Unerlässlich ist natürlich die Solidarität der Blinden und Sehbehinderten selbst, um die Arbeit im Interesse der Betroffenen fortführen zu können, ihre Rechte zu schützen und immer wieder auf neue Bedürfnisse eingehen zu können.

Für den Vorstand

Der Vorsitzende
Cav. Josef Stockner

Bozen, den 12.04.2008