Tätigkeitsprogramm der Landesgruppe Südtirol des Italienischen
Blinden- und Sehbehindertenverbandes ONLUS für das Jahr 2010
Liebe Freunde!wie vom Statut unseres Verbandes vorgesehen, legt der Vorstand anhand dieses Berichtes der Mitgliederversammlung einen Überblick über die für das Jahr 2010 geplanten Tätigkeiten zur Genehmigung vor.
Das Jahr 2010 wird im Zeichen der Neuwahlen der Verbandsorgane auf lokaler Ebene stehen, welche im Frühjahr abgehalten werden. Im Herbst findet dann der XXII Nationalkongress des Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes statt, bei dem die Richtlinien für die gesamtstaatliche Verbandstätigkeit in den nächsten fünf Jahren festgelegt, die Verbandsleitung gewählt und voraussichtlich eine Statutenänderung vorgenommen werden. Zusammen mit den Freunden der Sektion Trient wurden bereits einige Vorschläge besprochen, die für die Statutenänderung eingebracht werden sollen. Diese betreffen z.B. mehr Autonomie der Landessektionen bei der Verwaltung von Liegenschaften.
Auf gesamtstaatlicher Ebene wird außerdem des 90jährigen Bestehens des Italienischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes gedacht, welcher am 26. Oktober 1920 vom Kriegsblinden Aurelio Nicolodi aus Trient gegründet worden ist.
Aber nun zur Vorschau auf die Tätigkeit unserer Landesgruppe. Wir hoffen, dass diese Versammlung die Möglichkeit für einen nützlichen und konstruktiven Austausch zu den geplanten Vorhaben bietet, wobei auch Platz für Anregungen und Ergänzungen sein soll.
ORDENTLICHE TÄTIGKEIT
Die ordentliche Tätigkeit in den Bereichen Interessensvertretung, Patronatsarbeit und Sensibilisierung wird auch im Jahre 2010 Schwerpunkt sein. Unsere Landesgruppe erfasst und betreut Sehgeschädigte aller drei Sprachgruppen. Derzeit handelt es sich um etwa 1.200 Personen, von denen rund 680 eingeschriebene Mitglieder sind.Der Landesgruppe steht ein neunköpfiger Vorstand vor. Die einzelnen Vorstandsmitglieder werden den Verband und damit die Anliegen der Sehgeschädigten in verschiedenen Kommissionen und Arbeitsgruppen vertreten.
Die beiden Jahreshauptversammlungen sowie die traditionelle vorweihnachtliche Feier bieten Funktionären, Mitgliedern und Angehörigen die Gelegenheit Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Diese Zusammenkünfte so wie auch alle anderen Tätigkeiten wie Ausflüge und Ferienaufenthalte haben stets, neben den anderen Zielsetzungen, gemeinschaftsbildenden Charakter. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Senioren gelegt, machen sie doch die Mehrzahl der betreuten Personen aus.
Die umfangreiche Arbeit im Verbandsbüro wird vom Team der drei Angestellten durchgeführt. Bereits ab Ende dieses Jahres muss für die Mitarbeiterin Patrizia Cappello für die Zeit ihres Mutterschaftsurlaubes ein Ersatz gefunden werden. Wir sind weiters bemüht, das Team mit einem/einer Mitarbeiter/in des Freiwilligen Zivildienstes zu ergänzen. Das Verbandsbüro wird mit der Landessektion Trient und mit dem Hauptsitz in Rom zusammenarbeiten, um die verschiedenen Programme auch auf lokaler Ebene umzusetzen.
Eine wichtige Aufgabe ist die Unterstützung der Betroffenen, um die finanziellen Leistungen für Zivilblinde zu erlangen, welche von der Autonomen Provinz Bozen ausgezahlt werden. Wir sind den Antragstellern bei der Abfassung der Gesuche behilflich und verfolgen die Abwicklung aller Ansuchen bis zum Abschluss. Außerdem unterstützen wir Sehgeschädigte bei der Abwicklung anderer sozialrechtlicher und bürokratischer Verfahren sowie bei Ansuchen an die Sanitätsbetriebe um Lieferung von Hilfsmitteln. Bei der Anschaffung von elektronischen Geräten, die meist sehr kostspielig, aber für Sehgeschädigte unbedingt notwendig sind, wird der Verband, nach Möglichkeit, Zuschüsse gewähren, um einen Teil der Kosten zu decken, die von der öffentlichen Hand nicht getragen werden.
ARBEIT
Der Verband wird weiterhin seine Aufgabe bei der Interessensvertretung im Bereich Arbeit wahrnehmen. Er verfolgt die Berufsausbildung von Sehgeschädigten, kümmert sich um die Arbeitseingliederung und setzt sich für die korrekte Anwendung der gesetzlichen Maßnahmen zur Arbeitsausübung sowie zur Pensionierung ein.SCHULISCHE INTEGRATION UND REHABILITATION
In den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit sowie Rehabilitation und Hilfsmittel arbeiten wir eng mit den Diensten des Blindenzentrums „St.Raphael“ zusammen. Durch diese Zusammenarbeit können wir die Informations- und Beratungstätigkeit in den Schulen und bei den Familien sehgeschädigter Kinder verfolgen. Wir nehmen an den Teambesprechungen teil und übernehmen den Ankauf von Hilfsmitteln zum Vorzeigen und Ausprobieren.Ebenso wichtig ist die Elternarbeit, welche von der Elterninitiative sehgeschädigter Kinder „ELISE“ geleistet wird. Hier arbeiten das Blindenzentrum, der Blinden- und Sehbehindertenverband sowie die Rehabilitationsdienste zusammen. Es werden Treffen und Sommeraufenthalte organisiert, um ganzheitlich für mehr Selbständigkeit bei sehgeschädigten Kindern beizutragen.
INFORMATION UND SENSIBILISIERUNG
Der Verband bemüht sich immer wieder auf verschiedene Weise um Sensibilisierung für die Anliegen der Sehgeschädigten. Es ist äußerst wichtig, dass die Bevölkerung und auch die Verantwortungsträger konstant über unsere Schwierigkeiten und Bedürfnisse informiert werden. Wir müssen in der Gesellschaft bekannt und präsent sein: zu diesem Zweck werden wir bei passenden Gelegenheiten die Medien, die Schulen und auch die Bevölkerung einbeziehen. Wir werden es nicht versäumen, dass der Stimme der Blinden und Sehbehinderten unseres Landes in der Presse auf Landes- und auf nationaler Ebene Gehör verschafft wird, um auf Anliegen und Schwierigkeiten hinzuweisen.ABBAU VON ARCHITEKTONISCHEN BARRIEREN SOWIE ERLEICHTERUNGEN BEIM ZUGANG ZU DEN TAGESZEITUNGEN
Viel mühevolle Kleinarbeit ist weiterhin erforderlich, um den Abbau architektonischer Barrieren, die Anbringung blindengerechter, akustischer Verkehrsampeln und tastbarer Leitlinien sowie um Verbesserungen bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln voranzutreiben. Was die Ansage der nächsten Haltestelle im Inneren der öffentlichen Verkehrsmittel betrifft, wurde uns kürzlich von den Funktionären und politischen Vertretern des Landes zugesichert, dass das System in diesen Wochen in allen Stadtbussen in Bozen und Meran aktiviert wird. Das System konnte von den Vertretern des Verbandes getestet werden, und die technischen Probleme scheinen endlich gelöst zu sein. Der Verband wird natürlich die entsprechenden Arbeiten verfolgen, um einen raschen Abschluss dieses Projektes zu gewährleisten, das mit so vielen Schwierigkeiten verbunden gewesen ist.Bereits im laufenden Jahr wurden Kontakte mit den lokalen Tageszeitungen aufgenommen um zu erreichen, dass diese, zeitgleich mit dem Druck der jeweiligen Ausgabe, die gesamten Texte für Blinde und Sehbehinderte zur Verfügung stellen. Diese werden so aufbereitet, dass sie von den Sehgeschädigten über Internet mittels Computer oder mittels eines Vorlesegerätes äußerst unkompliziert abgehört werden können. Mit den Dolomiten wurde vereinbart, dass dieses Projekt im Jahre 2010 umgesetzt werden wird.
FREIZEITANGEBOTE, KULTURELLE TÄTIGKEIT SOWIE SPORT
Auch für das Jahr 2010 werden die Durchführung eines Meeraufenthaltes, einer Bergwanderwoche sowie einer Ferienwoche für sehgeschädigte Kinder geplant.Eine Fahrt zu den Festspielen in der Arena von Verona sowie ein Zwei-Tages-Ausflug nach Salzburg, sofern dieser Vorschlag von den Mitgliedern positiv aufgenommen wird, sind im Programm. Bei entsprechenden Anfragen wird die Teilnahme von Betroffenen an Veranstaltungen für Seh-Hör-Geschädigte finanziell unterstützt.
Der Blinden- und Sehbehindertenverband fördert auch die sportliche Betätigung der Sehgeschädigten, und zwar durch die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Blinden- und Sehbehinderten-Amateursportgruppe.
FINANZIERUNGEN
Um die notwendigen finanziellen Mittel sicherzustellen, werden wir uns an die zuständigen Landesämter, an die Gemeinde Bozen und an andere Gemeinden wenden. Um die Zuwendung von 5 Promille der Einkommenssteuer seitens der Steuerzahler wird wieder geworben werden. Eine weitere Maßnahme zur Mittelbeschaffung ist die Verteilung des „Südtiroler Hauskalenders“. Einzelne konkrete Projekte können durch einen zweckgebundenen Beitrag seitens der Charlotte-und-Rudolph-Nicolussi-Stiftung unterstützt werden.ZUSAMMENARBEIT
Der Verband ist Mitglied des Dachverbandes der Sozialverbände Südtirols. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen lokalen Behindertenorganisationen sind für aktuelle Anliegen immer von Bedeutung. Regelmäßige Kontakte werden mit der Landessektion Trient, dem Hauptsitz in Rom sowie mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband in Innsbruck gepflegt.
Abschließend möchten wir noch erwähnen, dass das Tätigkeitsprogramm natürlich durch spontane Initiativen oder Notwendigkeiten, welche sich während des Jahres ergeben, ergänzt werden wird. Wir werden unsere Arbeit zum Wohle der Blinden und Sehbehinderten Südtirols fortsetzen und vertrauen auf Zustimmung und gute Zusammenarbeit.
für den Vorstand
DER VORSITZENDE
Cav. Josef Stockner
Bozen, den 30.10.2009
für den Vorstand
DER VORSITZENDE
Cav. Josef Stockner
Bozen, den 30.10.2009


